Diesmal hatte sich mein Magen einen besondersgünstigen Zeitpunkt ausgesucht um zu rebellieren. Ausgerechnet an meinem ersten Arbeitstag rafft mich der Salat zum Mittag dahin. Jeder Versuch meinen Magen mit stichhaltigen Argumenten, wie dass man am ersten Tag doch keinen schlechten Eindruck abgeben darf, zu überzeugen seinen normalen Dienst anzutreten, schlug fehl. Die Magenverstimmung war leider stärker als mein guter Wille. So bin ich also doch früher nach Hause gegangen und habe auch den nächsten Tag im Bett verbracht.
Dafür bin wieder mal um eine Erfahrung das peruanische Gesundheitswesen betreffend reicher. Nachdem ich ja bei meinem letzten Peru Aufenthalt schon ausgiebig die Clinica San Felipe inspiziert habe und auch verschiedene Ärzte der Catolica schon kennengelernt habe, bin ich diemal zu einer Klinik der mittleren Preiskategorie mit dem schönen Namen 'Stella Maris' gegangen. Um diejenigen unter euch, die noch nicht mit dem Gesundheitsystem in Peru vertraut sind mit etwas Hintergrundwissen zu versorgen, hier eine kurze Zusammefassung meiner bisherigen Erfahrungen, gepaart mit einigen Fakten.
In Peru unterscheidet man bei Krankenhäusern grundsätzlich in staatliche, welche als 'hospital' bezeichnet werden und private, die so genannten 'clinicas'.
Die staatlichen Krankenhäuser stehen dabei in dem Ruf ständig überfüllt zu sein, ihren Patienten stundenlange Wartezeiten zuzumuten und völlig unterbezahltes und teilweise auch inkompetentes Personal zu beschäftigen.
Nun beschränkt sich mein Erfahrungschatz mit den 'hospitals' auf einen einmaligen Besuch der Ambulanz - diesmal ohne Notfallhintergrund -. Auch wenn mir die Vorgänge im Hospital Santa Rosa etwas chaotisch vorkamen, kann ich die negativen Erfahrungen einiger Freunde nicht bestätigen. So wurde ich bereits nach einer Viertelstunde warten behandelt. Auch hatte ich nicht das Gefühl an einen unfähigen Arzt geraten zu sein, negativ viel mir lediglich auf, dass ich schnellstmöglich à la Fließband Prinzip abgefertigt wurde. Aber da ich auch in Deutschland zur Gruppe der 2. Klasse Patienten gehöre, sprich über eine staatliche Krankenversicherung 'abgesichert' bin, habe ich mich längst daran gewöhnt, dass Ärzte grundsätzlich weder Zeit noch den Willen zu haben scheinen der Beschreibung meiner Beschwerden größere Aufmerksamkeit zu schenken. Was die Wartezeit betrifft so sollte man sich als nicht Privatpatient ja auch in Deutschland mit ausreichend Literatur für einen Arztbesuch wappnen.
Für deutsche Verhältnisse eher ungewöhnlich so bietet die PUCP ihren Studenten nicht nur eine fachliche Ausbildung, so gibt es neben den üblichen Bibliotheken, Cafeterien und Sportzentrum auf dem Campus auch einen kostenfreien Ärzteservice. Allerdings scheint hier eher das Motto zu gelten 'einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul'. Das die dortige Augenärztin sich beim messen meiner Dioptriestärke auf einem Auge um 0.5 'verschätzte' und beim anderen Auge mit der Hornhautverkrümmung völlig daneben lag, habe ich ja noch achselzuckend hingenommen.
Als ich allerdings wegen einer schweren Mandelentzündung kaum noch atmen konnte und mir im dortigen Ärztehaus sofort Antibiotika gespritzt wurden, war ich einigermaßen beunruhigt als sich auf dem Gang eine Ärztin mit meinem behandelnden Arzt darüber stritt, dass das Medikament, welches er mir soeben injiziert hatte, in einem Fall wie meinem längst nicht mehr verwendet werde und außerdem viel zu hoch dosiert sei. Ich bekam einen 'leichten' allergischen Schock und wurde noch am gleichen Abend in die Clinica San Felipe eingeliefert. Womit wir beim Teil der privaten 'clinicas' meines Erfahrungsberichts wären.
Die Clinica San Felipe ist, wie ich viel später zufällig erfuhr, als ich nach peruanischen Krankenversicherungen suchte, eine der teuersten und nach Meinung einiger meiner Freunde auch besten in Peru. Was die ärztliche Versorgung und den Service betrifft, so bin ich auf jeden Fall geneigt dem zuzustimmen. Ich bekam ein Einzelzimmer mit Besuchercouch und einen Rundumservice, den ich sonst eher in einem Hotel der gehobenen Preisklasse vermuten würde. Der Chefarzt persönlich nahm sich jeden Tag Zeit um mich nach meinem Befinden zu fragen und sich von dem behandelnden Arzt ausführlich über den Verlauf meiner Krankheit berichten zu lassen. Obendrein gab es das alles zu moderaten deutschen Preisen.
Eine Behandlung in einer privaten Klinik sind für den Durchschnitts Peruaner jedoch nicht zu bezahlen, es sei denn er hätte eine private Krankenversicherung, deren Jahresbetrag wiederum je nach Leistungsumfang (für eine Beispielperson von 30 Jahren) von $ 439("Multisalud" - Pacifico Seguros) bis $ 700("Red Salud" - RIMAC Seguros) und höher beträgt. Angesichts der Tatsache, dass das durchschnittliche Prokopf Einkommen (in der am besten bezahltesten Provinz - Lima) 743 S./ pro Monat = ca. $ 2700 jährlich liegt, welches oftmals das Einkommen einer gesamten Familie darstellt, wird offensichtlich warum nur ein sehr kleiner teil der Bevölkerung in der finanziellen Lage ist, eine solche Versicherung abzuschließen (Quelle: Zeitschrift Análisis Laboral vol. XXIX no. 339, Sep. 2005).
Als es in der Clinica San Felipe jedoch darum ging wie ich denn meinen dortigen Aufenthalt bezahle, geriet ich an ein leider völlig inkompetentes und mit der Situation überfordertes Verwaltungspersonal. Obwohl ich ihnen zuvor mehrfach erklärt hatte, meine Krankenversicherung werde für alles aufkommen und diese auch verschiedene Versuche startete die Klinik zu überzeugen das sie die Rechnung übernehmen werden, entschied das Verwaltungspersonal am Tag an dem ich die Klinik verlassen sollte, das sie nicht mit meiner Krankenversicherung zusammenarbeiten werden. Natürlich gibt es in Peru ebenso viele "Schubladendenker" wie in anderen Teilen der Erde, zu denen offensichtlich auch jene Angestellte der Krankenhausverwaltung gehörte, als sie mit Hinblick auf meine Herkunft und meiner Hautfarbe an nahm ich würde im Geld schwimmen. Es dauerte etwas ihr klar zu machen, das dies nicht der Fall ist und ich keine 2000 $ unter meinem Kopfkissen versteckt hatte. Auch nachdem mir Laurits zu Hilfe eilte und wir ihr gemeinsam klar machen konnten, dass eine Kreditkarte einen Tagesrahmen habe und ich somit die rund 2000$ unter keinen Umständen sofort begleichen könne, ließ sie uns nur unter sehr argwöhnischen Blicken gehen. Ich bin sicher das sie meine Erklärung, man bekäme in Deutschland, insofern man keine Krankenversicherung habe, eine Rechnung nach einigen Tagen bis Wochen zugesandt, bis heute für ein absolutes Märchen hält.
Das Gesundheitsystem in Lima habe ich dennoch insgesamt als durchaus positiv empfunden, was Ausstattung der Einrichtungen, Ausbildung des Personals und die Behandlung an sich betrifft. Das eigentliche Problem liegt wohl auch eher in der Grundversorgung der Bevölkerung. Wie auch in Deutschland sind die Arbeitgeber in Peru verpflichtet Beiträge für die staatliche Krankenversicherung für alle Festangestellten zu zahlen. Um dies zu umgehen stellen die meisten Unternehmen ihre Mitarbeiter lediglich für eine gewisse Zeitspanne an und erneuern nach ablaufen der selben den Vertrag oder aber auch nicht. Nun können sich diese Angestellten bei der staatlichen Krankenkasse selbst versichern, leider tun das angesichts der für viele immer noch hohen Kosten von ab 68 S./ pro Monat (EsSalud "Plan Protección Vital" - Person von 25-34 Jahren) nur die wenigsten. Deshalb stecken die meisten Peruaner in ernsthaften Schwierigkeiten, sollten sie schwerer erkranken. Dies ist nicht nur für mich als deutsche erschreckend, angesichts der Tatsache das in Deutschland zumindest die medizinische Grundversorgung für jedermann zugänglich ist. Ebenso dürfte es für jeden Peruaner mehr als alarmierend sein, wenn in Peru Kinder an einer simplen Bilddarmentzündung sterben, aufgrund der Tatsache, dass sie von der Krankenhausverwaltung wieder nach Hause geschickt werden, da ihre Eltern die Operation nicht bezahlen können.
Montag, 21. Mai 2007
Krankenhäuser und Versicherungen - clínicas y seguros:
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Krankenhäuser,
Versicherung
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