Mittwoch, 13. Juni 2007

Visa Spass

Oder auch: die Reise die man besser vermeiden sollte.


Nachdem ich mit meiner Idee mein Touristenvisum in ein Pressevisum um zu ändern etwas spät dran war um dies noch vor Ablauf der Frist zu verwirklichen, war eine Aus- und Wiedereinreise in mein geliebtes Peru unvermeidlich. Nichts desto trotz danke ich allen für die Tipps betreffs eines Pressevisums. So wie es aussieht klappt es wohl auch tatsächlich und ich werde euch die Einzelheiten berichten sobald ich alles in Sack und Tüten habe.


Aber nun auf zum fröhlichen Visa erneuern, die Grenze gen Ecuador überqueren.

Die Reise begann sogar recht bequem, ich war mit Cruz del Sur unterwegs, nicht zu Unrecht oft als Perus komfortabelste Busgesellschaft genannt. Aber eben leider auch eine der mit Abstand teuersten. In einem unglaublich bequemen, geruchsfreien Sitz lasse ich mich nieder, es gibt eine Stewardess, die auf Knopfdruck alle nicht vulgären Wünsche erfüllt und ein Abendessen - Eden ist nah. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass es beim Begrüßungsbingo auch Preise außerhalb der Bonbonkategorie geben könnte und so habe ich die Chance verpasst, das Ticket für die Rückfahrt zu gewinnen. Bei so einem überdimensionalen Service, war es fast schon beruhigend zu bemerken, dass die Filme die wir sahen offensichtlich dem Schwarzmarkt entstammten. Die Auswahl war jedoch in jedem Fall ausgezeichnet.

In Piura war der bequeme Teil leider schon zu Ende. Der Cruz del Sur Bus bis Tumbes wurde aufgrund zu geringer Passagierzahl gestrichen und ich fuhr mit 3 weiteren Fahrgästen in einem alten klapprigen Chevrolet bis Mancora. Dort verabschiedeten sich leider nicht nur die 3 Mitfahren, sondern auch mein Taxifahrer, der eigentlich bis Tumbes hätte fahren sollen. Die Leute von Cruz del Sur waren allerdings recht nett und suchten mir eine neue Mitfahrgelegenheit. Als sie dann hörten, dass ich vor hatte die Grenze zu überqueren um mein Visum zu verlängern und am selben Tag zurück zu kehren, rieten sie mir sofort davon ab.
Ich war mir aufgrund ihrer Freundlichkeit die sie mir bis zu diesem Zeitpunkt entgegen gebracht hatten, ohne jegliche Gegenleistungen erhoffen zu können, nicht sicher ob es sich um Geschäftssinn oder echte Besorgnis um meine Wenigkeit handelte. Da ich aber noch gut die Geschichte meiner ehemaligen Mitbewohnerin in Erinnerung habe, als sie den selben Weg einschlug um ihr Visum zu verlängern, willigte ich ein, eine Begleitperson mitzunehmen, die sich um die nötigen Bestechungsgelder kümmern würde. Denn das Problem bei meiner Idee war der offizielle Mindestaufenthalt von 24 Stunden in Ecuador bevor man mir legalerweise den Wiedereinreisestempel auf der peruanischen Seite in den Pass drücken würde.


Leider summierten sich die Bestechungsgelder und Taxigebühren an der Grenze derart, dass sich am Ende meines ersten Reisetages bereits mein Geld für die ganze Woche in den Taschen schmieriger "Dienstleister" wiederfand. Auf der ecuatorianischen Seite in Huaquillas verpasste ich dann nur knapp den derzeitigen Präsidenten Rafael Correa, für dessen Auftritt einige Stunden später bereits zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Wenn auch zunächst etwas zögerlich, so gab mein ecuatorianischer Taxifahrer immerhin noch seine Meinung preis und ich konnte ihm ein Gespräch über die politischen Hintergründe entlocken. Zu meiner Überraschung erfuhr ich, dass Correa in Huaquillas ganz und gar nicht beliebt war und nach Ansicht vieler Einheimischer wohl bald der 7. Präsident sein, der innerhalb der letzten 10 Jahre eher weniger ruhmreich abgesetzt wird. 7 Präsidenten in 10 Jahren stellen aber auch so schon angesichts einer Regierungsperiode über 4 Jahre eine beachtliche Summe dar. Nach einer 8-stündigen Irrfahrt saß ich schließlich im Bus nach Piura, welcher - wie konnte es auch anders sein - den Geist aufgab und 3 Stunden repariert werden musste, bevor die Reise fortgesetzt werden konnte. Um mein Missgeschick des Tages zu komplettieren, viel mir jedoch rechtzeitig vor Mitternacht noch ein, dass sich meine Jacke immer noch in der Gepäckablage des Cruz del Sur Busses befand. Völlig entnervt steuerte ich in Piura in ein völlig heruntergekommenes Hostal und wurde am nächsten Morgen um 7 Uhr von der grunzigen Stimme des Inhabers geweckt, der durch die Gänge schrie, es gäbe jetzt für genau 1 Stunde fließend Wasser.



Gott sei dank konnte ich meine Reise mit einem Ausflugs (beruflicher Art) nach Piura und die Majaz Region verbinden, so dass an diesem Tag der interessante, wenn auch nicht weniger beschwerliche Teil der Reise begann. Aber dazu mehr im nächsten Bericht...

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr lustig ... immer noch ganz die alte, unsere Katja. Bin ja mal gespannt, wie das wohl weiterging!
Und Katja: Spann uns mal nich soooo lange auf die Folter :O

Anonym hat gesagt…

Aufregend - und wo bleibt der zweite Teil?